22.06.2020 |
Opinion

Rudern in Zeiten des Coronavirus

An dem Tag an welchem die Schüler erfuhren, dass die Schulen geschlossen werden mussten, wurden auch schon im Club Aviron Ville Fribourg die ersten Massnahmen getroffen. Noch bevor die Direktive von Swissrowing, oder gar vom Bund kam, dass die Vereinsaktivitäten eingestellt werden müssen, stellten die meisten Ruderclubs der Romandie, darunter auch der CAVF, alle Aktivitäten ein.

Es war seltsam, sich nicht mehr jeden Tag auf den Weg hinunter an die Saane zu begeben. Seltsam, denn obwohl mein ganzer Alltag – das frühe Aufstehen, die Schule, das Rudern – obwohl all das, was ich immer gemocht hatte, wegfiel, ging es mir nicht unbedingt schlechter als sonst. Objektiv betrachtet wohl sogar besser. Ohne Stress, mit genug Schlaf und freier Zeiteinteilung. Nur etwas fehlte mir: Das wunderbare, unbeschreibliche Gefühl des über den Schiffenensee zischenden, fast fliegenden Boots. Circuittraining, Joggen oder die infamen Trainings auf dem Rudergerät, all das konnte bei Weitem nicht das echte Rudern ersetzen.

Es schien wie ein erweitertes Wintertraining, und auch noch ohne die Unterstützung der anderen. Erst in solchen Momenten wird klar, wie sehr ein jeder von den anderen abhängig ist, wie sehr die kleinen Gespräche helfen, wie sehr wir uns gegenseitig aufputschen, wie wichtig das Team ist.

Zum Glück bekam die Schweiz das Virus gut in den Griff, zum Glück für die ganze Bevölkerung und zum Glück für die Ruderer. Denn so war es schon am 12. Mai möglich, in gewissen Booten, nämlich dem Skiff (Einer), dem Zweier ohne (Zwei Ruderer mit jeweils einem Riemen, ohne Steuermann) und dem Doppelzweier (Zwei Ruderer mit jeweils zwei Skulls, also Rudern) auszufahren. Dem Verband sei Dank. Das Komitee selbst brauchte dieses Schutzkonzept nur noch auf die Situation vor Ort anzuwenden, was wegen der geringen Mitgliederzahl kein grosses Problem war. Als dann am 6. Juni die Teilnehmerhöchstzahl auf 30 Personen hochgeschraubt wurde, kamen sogar so viele Leute zu den Trainings der Freizeitruderer wie seit fast zwei Jahren nicht mehr. Sie vermissten wohl auch das unbeschreibliche Gefühl des fliegenden Boots.

So kam eine angenehmere Normalität wieder zurück, zumindest ein bisschen. Dank einer frühen Reaktion des Staates, verantwortungsbewussten Vereinen und einer ordentlichen Verbandsarbeit, die zumindest in den Nischensportarten noch nicht allein auf die Grossen im Sport ausgerichtet ist.

 

Fussnote: 

1. Swissrowing (2020). Newsletter #4., 17.06.2020

Illustration:

Poyabrücke, Freiburg, April 2020

 


 

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Milan Herlth

Student​, Kollegium Heilig Kreuz