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30.03.2021 |
Berichte & Fusionskonzept

Eine ehrgeizige Kulturpolitik für die Identität Grossfreiburgs schaffen

Die Fusion Grossfreiburgs ist eine Chance, den Zugang der Bevölkerung zu jeglicher Art von Kultur zu verbessern. Diese stellt die Grundlage der Gesellschaft und ihrer Identität dar. Mit der Fusion kann ebenfalls die von Les Assises de la culture ausgearbeitete Strategie CULTURE 2030/KULTUR 2030 umgesetzt werden: Indem die Anzahl kommunaler Anlaufstellen reduziert wird, wird die Situation für alle Akteure der Kulturszene deutlich vereinfacht. Heute sind sie mit einem schwer verständlichen institutionellen Flickenteppich konfrontiert. Die fusionierte Gemeinde bietet ebenfalls die Möglichkeit, eine zentralisierte Anlaufstelle für alle Personen zu schaffen, die sich in kulturellen Projekten engagieren und heute mit administrativen Hürden konfrontiert sind. Solche Anpassungen würden den Kultursektor insbesondere in der Ära nach der Covid-19-Pandemie nachhaltig unterstützen. Die Kantonshauptstadt könnte somit eine ambitionierte Kulturpolitik verfolgen, die dem kulturellen Reichtum Grossfreiburgs gerecht wird.

Die ad-hoc-Arbeitsgruppe (AG) Kultur tagte drei Mal zwischen November 2020 und März 2021. Die Mitglieder wurden von den Kulturbeauftragten der Gemeinde Freiburg und der Agglomeration Freiburg mit ihren spezifischen Kompetenzen unterstützt und hörten die Vertreterinnen und Vertreter von Association K Verein C, dem Dachverband der Freiburger Kulturinstitutionen, an. Mit Blick auf das Fusionskonzept setzte sich die AG vertieft mit der Frage der Kulturpolitik und der Förderung von professionellen Kulturschaffenden auseinander. Die konstituierende Versammlung hatte sich bisher vorwiegend mit der Kulturförderung von Amateuren und soziokulturellen Anlässen beschäftigt. Es ist deshalb notwendig, die Überlegungen auf die professionellen Kulturschaffenden auszuweiten, die stark von der Pandemie betroffen sind.

Gesellschaftlicher Zusammenhalt

Unabhängig davon, ob es sich um die professionelle Kulturszene oder den Amateurbereich handelt, Kultur ist ein wichtiges Element des sozialen Zusammenhalts. Das Fusionskonzept anerkennt diese Rolle. Das Konzept sieht die Erhaltung der Kulturvereine (und Sportvereine) vor, ebenso wie deren Subventionen, die mindestens auf dem derzeitigen Niveau erhalten werden sollten. Des Weiteren soll eine politische Strategie ausgearbeitet werden, die alle Dimensionen des kulturellen Reichtums Grossfreiburgs berücksichtigt.

Institutioneller Flickenteppich

Ebenso wie für die Wirtschaftsakteure spielen die Gemeindegrenzen auch für die Vertreterinnen und Vertreter der Kulturszene hinsichtlich ihrer Beziehung zum Publikum keine Rolle. Die professionellen Kulturschaffenden sind jedoch mit einem institutionellen Flickenteppich konfrontiert, wenn es um die Entwicklung und Umsetzung von Projekten geht. Während die Finanzierung von Projekten bei der Agglomeration, der Loterie Romande, den Gemeinden oder dem Staat Freiburg beantragt werden kann, ist der Verband Coriolis Infrastructures hauptsächlich für die Unterstützung von Infrastrukturen zuständig. Die verschiedenen Bewilligungen für die Durchführung von Projekten müssen bei den jeweiligen zuständigen Dienststellen der neun Gemeinden eingeholt werden. Les Assises de la culture und der Bericht CULTURE 2030/KULTUR 2030 haben bereits 2014 gezeigt, dass die heute vorliegende institutionelle Komplexität eine Hürde für das kulturelle Schaffen und die unternehmerische Freiheit ist.

Für eine ambitionierte Kulturpolitik

Die professionellen Kulturschaffenden stellen ebenfalls fest, dass Grossfreiburg, trotz seiner vielen kulturellen Initiativen, über keine nennenswerte Kulturpolitik verfügt, die den Ansprüchen der Kantonshauptstadt gerecht wird. Eine solche Politik könnte Ziele, Massnahmen und Mittel genau definieren und diese mit den Zielen der Kantonshauptstadt im Kulturbereich in Einklang bringen. Die Organisationen möchten zum Beispiel von der öffentlichen Hand beauftragt werden können, bestimmte Aufgaben in den Bereichen Nachwuchsförderung, sozialer Zusammenhalt, Mediation, Sensibilisierung oder Zweisprachigkeit zu übernehmen. Aber die Leistungsvereinbarungen zur Umsetzung solcher Aufgaben fehlen derzeit im Gebiet Grossfreiburg. Aus Sicht der Steuerzahlenden ist die Ressourcenverteilung aufgrund dieses Defizits schwer verständlich. Das Fehlen einer kohärenten Kulturpolitik bestätigt sich in Anbetracht dessen, dass in einigen Gemeinden des Einzugsgebiets eine Gebühr auf Aufführungen und Unterhaltungsangebote erhoben wird. Diese schadet den Kulturschaffenden ohne dass sie im Gegenzug direkt davon profitieren. Die Ad-hoc-AG Kultur erwartet von der konstituierenden Versammlung, dass sie die Kulturfinanzierung in der zukünftigen fusionierten Gemeinde überprüft und konsolidiert, mit dem Ziel, schliesslich das durchschnittliche Niveau der Schweizer Städte zu erreichen.

Umsetzung von KULTUR 2030

Die Ad-hoc-AG Kultur stellt fest, dass mittels der Fusion Grossfreiburgs drei signifikante Verbesserungen erreicht werden können. Die Fusion bietet die Gelegenheit, eine echte Kulturpolitik einzuführen. Deren Grundlage findet sich im 2014 erstellten Bericht CULTURE 2030/KULTUR 2030, den es in einem ersten Schritt umzusetzen gilt. Das institutionelle Umfeld, in welchem die professionellen Kulturschaffenden arbeiten, könnte ausserdem durch die Reduktion der Anzahl Anlaufstellen auf Gemeindeebene deutlich vereinfacht werden. Schliesslich könnte die fusionierte Gemeinde allen Gruppen, Vereinen und Gesellschaften eine zentralisierte Anlaufstelle zur Verfügung stellen, die sie sowohl bei der Mittelbeschaffung als auch bei den verschiedenen Genehmigungsanträgen unterstützt.

Neuerung des kantonalen Gesetzes

Aufgrund neuer Mischformen zwischen sogenannten Amateuren und professionellen Kulturschaffenden sollte nach Ansicht der Ad-hoc-AG Kultur der Staat Freiburg die Anwendung des Gesetzes über die kulturellen Angelegenheiten (KAG) überprüfen. Die derzeitige Unterscheidung ist nicht mehr zutreffend und eine Kantonshauptstadt muss in der Lage sein, auf ihre professionelle Kulturlandschaft zu reagieren. Die Ad-hoc-AG Kultur schlägt der konstituierenden Versammlung vor, den Kanton aufzufordern, eine tiefgreifende Revision des KAG in Angriff zu nehmen.

 


 

Komplexe Steuerungsstrukturen

Heute teilen sich im Kanton Freiburg verschiedene Institutionen die Aufgaben im Bereich Kulturförderung. Der Staat Freiburg unterstützt insbesondere das professionelle Kulturschaffen. Die Loterie Romande fördert ihrerseits Projekte von öffentlichem Interesse und bevorzugt dabei die Umsetzung von Projekten, den Erwerb von Objekten und die Erbringung von Dienstleistungen. Auf überkommunaler Ebene sind im Gebiet Grossfreiburg zwei Institutionen aktiv: Die Agglomeration unterstützt Kulturstätten und professionelle Projekte mit regionaler Ausstrahlung; der Gemeindeverband Coriolis Infrastructures sorgt, nachdem er den Bau der Theater Equilibre und Nuithonie ermöglicht hat, vorrangig für deren Betrieb und kann zur Unterstützung anderer Infrastrukturen beitragen. Die Gemeinden unterstützen Kulturprojekte auf zweierlei Weise: Einerseits leisten sie Förderbeiträge an Projekte unter dem Gesichtspunkt der erbrachten Unterhaltung, andererseits sind die verschiedenen Gemeindeämter für Genehmigungen und die Bereitstellung von Gebäuden oder Dienstleistungen zuständig.


 

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